Prof. Fredrik Nyström, schwedischer Internist und Fettzellenforscher initiierte ein

Experiment mit 10 schlanken Menschen, die in den folgenden 4 Wochen das doppelte Ihrer zum Gewichtserhalt notwendigen Kalorien zu sich nehmen sollten. Dabei durften die Studienteilnehmer keinen Sport machen, die tägliche Anzahl der Schritte war mittels Schrittzähler auf eine Obergrenze von 5000 Schritten pro Tag begrenzt.

Vor 40 Jahren bereits kam es in Vermont/USA im Staatsgefängnis zu einem vergleichbaren Experiment, in welchem der Hormonhaushalt untersucht werden sollte bei einer Gewichtszunahme von etwa 25%. Das Ergebnis damals liess darauf schliessen, dass bei gleicher Kalorienzufuhr die Teilnehmer unterschiedlich schnell zunahmen und ein großer Teil der Teilnehmer trotz hoher Motivation (Teilerlass der Gefängniszeit) das Ziel nicht erreichen konnten.

Die Obergrenze beim aktuellen Experiment lag bei einer Zunahme um etwa 15% des Körpergewichts oder einer Veränderung der Kleidergrößen um 2 Nummern in 4 Wochen.

Das Ergebnis der Studie bestätigt letztlich die lange zurückliegende Studie an den Gefängnisinsassen: Trotz in etwa gleicher Kalorienzufuhr erfolgte bei den einzelnen Teilnehmern eine höchst unterschiedliche Gewichtszunahme.

Gründe hierfür wurden im Beitrag näher beleuchtet:

  • Es wurde festgestellt, dass einige Körper von Teilnehmern in der Lage waren, den sog. Grundumsatz anzuheben, so dass sie während der Phase der erhöhten Kalorienzufuhr auch mehr Kalorien verbrannten (bis zu 30% erhöht!)! Dies wurde erklärt mit einer Zunahme v.a. an Muskulatur anstatt von Fett. Spekulationen darüber, warum dies beim einen möglich ist und beim anderen nicht, wurden im Beitrag v.a. auf genetische Einflüsse zurückgeführt. So ist wohl die Anzahl der bis zum Erwachsenenalter ausgebildeten Anzahl an Fettzellen entscheidend, ob der Einzelne im Alter mit Übergewicht zu kämpfen haben wird. Denn die Zahl der Fettzellen steigt offenbar erst beim Erreichen einer maximalen Grösse von einzelnen Fettzellen (quasi bei Überlastung der einzelnen Fettzelle), ist die Zahl aber erst einmal erhöht, dann ist Sie wohl nicht mehr reduzierbar. Die Anzahl der Fettzellen scheint aber wesentlich an Übergewicht beteiligt zu sein, ganz nach dem Motto – jede Fettzelle ist sich selbst die nächste und versucht möglichst viel Fett abzubekommen. Gibt es also zuviel davon, werden viele Fettzellen mehr Fett „bunkern“ als wenige.
  • An den Teilnehmern fiel im Weiteren auf, dass sich einzelne unterschiedlich leicht bzw. schwer damit taten, die Kalorienvorgaben einzuhalten. So klagten diese oft über absolute Sättigkeit, bis hin zu Übelkeit und Erbrechen.Die Glücklichen unter uns haben also einen Körper, der aktiven Widerstand leistet, wenn man ihm übermässig Kalorien zuführt.
  • Dr. Philipp Scherer erlaeuterte, wie die Funktion unseres Fettgewebes auch als Erbe aus der Menschheitsgeschichte zu verstehen ist. Es galt über Jahrtausende als Energiebereitsteller und Lieferant von Notration. Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben v.a. diejenigen überlebt, bei welchen dieser Mechanismus gut funktioniert. Das Problem der heutigen reichen Nationen ist es aber, dass Hunger stets gestillt werden kann und Essen meist im Überfluss vorhanden ist.

Überlebt haben und werden also die guten Verwerter! – was manchem Übergewichtigen allerdings nur ein schwacher Trost für die weithin gängige Stigmatisierung ist.

  • Dr. Rudy Leibel machte bekannte Rechenexempel, dass letztlich bei dem normalerweise mehr oder weniger stabilen Körpergewicht im Erwachsenenalter mit einer Schwankungsbreite von etwa 15 Kilogramm innerhalb von 40 Jahren die tägliche Abweichung der körpereigenen Messuhr für die Kalorienbilanz nur um etwa 5 – 10 Kalorien pro Tag abweiche – also einem Chips. Er glaubt dass unser Körpergewicht genetisch festgelegt ist – das natürliche Körpergewicht – wobei es allerdings für den einzelnen möglich bleibt, Einfluss darauf zu nehmen.
  • Dr. David Allison glaubt an die „Mutterleibtheorie“, nach welcher v.a. alte und dicke Mütter übergewichtige Kinder bekommen. Auch Ernährung und die auf die werdende Mutter einwirkende Umweltverschmutzung während der Schwangerschaft könne eine  Rolle spielen. Wesentliche Mechanismen sind noch nicht erkannt.

Abschließend wurde noch über die im Anschluss an die „Studien-Mast“ stattfindende Abnehmphase berichtet. Die Teilnehmer hatten nach 4 Wochen – ohne bewusst eine Diät einzuhalten – weitestgehend wieder Ihr altes Ausgangsgewicht zurück. Dieser erstaunliche Effekt wurde weiter erläutert mit Untersuchungen am Gehirn übergewichtiger Menschen mittels Kernspin. Studien zeigen, dass die Gehirne stark übergewichtiger Menschen bei einer Diät so reagieren, als seien sie am verhungern.

Leichte wie auch Schwere Menschen werden also nach einer vorübergehenden Gewichtsveränderung wieder schnell zu Ihrem alten Gewicht zurückfinden, wenn kein Konzept dahinter steht. Der körpereigene Stellregulator hat hier offenbar das letzte Wörtchen.

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